Künstliche Intelligenz und digitale Medien

Hyper-Reality presents a provocative and kaleidoscopic new vision of the future, where physical and virtual realities have merged, and the city is saturated in media. If you are interested in supporting the project, sponsoring the next work or would like to find out more, please send a hello to info@km.cx.

 

Manfred Spitzer – Wussten Sie, dass Kinder durch die Smartphone-Nutzung kurzsichtig werden, Facebook depressiv macht und man in Deutschland ein Gesetz verabschieden muss, welches das Filmen von Sterbenden untersagt?
Erleben Sie Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer bei seinem Vortrag “ Von der Digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie: Risiken und Nebenwirkungen digitaler Informationstechnik für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft“ bei der RPP-Tagung in Wien.

Wie können Wissenschaft, Technik und Wirtschaft dazu beitragen Wege zu finden, um ein glückliches Zusammenleben in einer gesunden Umwelt zu fördern?

Vortrag von dem renommiertesten deutschen Gehirnforscher Professor Manfred Spitzer aus Ulm auf der Tagung „Sport bewegt und bildet“, die der Landessportbund Berlin am 8. Dezember 2017 in der TU Berlin veranstaltet hat.

Der Beginn des Transhumanismus nach Rudy Rucker

„Anstatt Amerika nannten wir es damals Us (= Uns oder Wir). So wie in jenem weitverbreiteten Slogan Us is Users and User is Us, was sinngemäß übersetzt so viel bedeutet wie: Wir Amerikaner sind User (= ‚Benutzer‘) und User machen Amerika aus. Der Gouverneur brachte das in den meisten seiner Reden an; Reden, die stets in den Satz mündeten: Us needs you ´cause you´re Yonique, was so viel heißt wie: Wir brauchen euch, weil ihr einzigartig seid.
Was natürlich ´n Haufen Scheiße war. Es gab Drohnen und es gab Träumer, und damit hatte es sich ungefähr schon, was das Einzigartige betrifft.
Die Drohnen hausten in von Robotern errichteten Vorstädten. Tagsüber bedienten sie sich für den Weg ins Büro der Laufbandröhren. Ihre Hauptaufgabe in der City bestand darin, Sondierungsfragebögen auszufüllen. Die Träumer lebten in weiträumigen Apartmentblocks zusammen. Einen Träumer auszumachen war, wegen der Muffe am Hinterkopf, einfach. Wenn man ein Träumer war, stöpselte man in diese Muffe jeden Abend einen Draht. Wie eine Telefonschnur.
Die Fragebögen der Drohnen und die Gehirnwellen der Träumer endeten alle im Phizwhiz, einem ausgedehnten Netzwerk untereinander verbundener Computer und Roboter. Phizwhiz war stets im Bilde, nach was es die Träumern dürstete. Wenn das, nach dem sie verlangten, unmöglich oder unsicher war, dann war es an Phizwhiz, das, was die User im Sinn hatten, zu verändern, bevor sie dahinter kamen, daß sie etwas Unmögliches oder Unsicheres wollten. Phizwhiz führte das aus, indem er ununterbrochen die Hollows regulierte, die jedermann sah.
Die Hollows waren Hologramme … dreidimensionale, vielfarbige, lebensgroße Bilder, die den ganzen Tag über plärrten und flimmerten. Jedermann verfügte über ein kleines wattiertes Zimmer, das Nest, mit einem Hollows-Empfänger am Fußboden. In einem Nest konnte man sich gegen die gepolsterte Wand lehnen und auf einer Jacht im Mittelmeer kreuzen oder sich in vertraulichem Gespräch mit dem Gouverneur befinden, der einem ein Geheimnis anvertraute; bei einer Razzia im Interesse der öffentlichen Sicherheit oder mit einem wohlgesinnten und wohlansehnlichen Par im Bett.
Das alles war so real, daß die Users – ob Drohnen oder Träumer – an das übrige Leben keine große Ansprüche stellten. Daran gab es auch nichts zu bemängeln, hatte Phizwhiz es doch so weit gebracht, alle richtige Arbeit, die es gab, auszuführen. Das war teilweise auf menschliche Faulheit zurückzuführen, teilweise darauf, daß Phizwhiz so programmiert worden war, menschliches Leben über alles andere zu stellen. Als die Menschen noch in Fabriken, auf Feldern und in Laboratorien arbeiteten, hatten sie dazu geneigt, sich Verletzungen zuzuziehen. Somit hatte Phizwhiz, als das Jahr 2165 anbrach, es so eingerichtet, daß der Durchschnitts-User niemals Regulierungsvorrichtungen anrühren mußte, die gefährlicher waren als ein Kaltwasserhahn.
Es war ein beschauliches Dasein, und während Phizwhiz einem im Hirn herumstocherte und die Hollows manipulierte,  war man psychisch gewöhnlich beeinflußt genug, seine Bauchschmerzen zu vergessen, bevor man noch wußte, daß man welche hatte. Gewöhnlich. Es gab allerdings Probleme, die man nicht so leicht vergessen konnte. Zum Beispiel, daß die Maschinen niemals etwas wirklich richtig machten. Und die Tatsache, daß es keine echten Veränderungen mehr gab. Keine neuen Erfindungen, keine neuen Ideen, nicht einmal irgendwelche wirklich neue Shows in den Hollows. Phizwhiz war glücklich, aber Us, Amerika, langweilte sich.
Irgend jemandem kam dann die Idee, daß Phizwhiz kreativ sein könnte, wenn ein paar menschliche Hirne sich direkt in das Netzwerk einbauen ließen. Der Gouverneur appellierte an die Träumer, ihre Gehirne mit Phizwhiz´ Innerstem kurzzuschließen, und ein paar ambitionierte Freiwillige meldeten sich.
Diese Art von Zusammenschalten war etwas ganz anderes als das zimperliche Stochern der Dreamachine, jenes elektronischen Meinungsforschers, der die kollektive Reaktion der Träumerhirne auf verschieden schwache Stromstöße und Wellenarten allnächtlich überwachte. Die unglaublich gesteigerte Denkaktivität und die Überfütterung mit Informationen, die man beim vollen Miteinander-Verzahnen mit Phizwhiz durchmachte, verwandelte all die geistig und körperlich gesunden Leute, die es mal probieren wollten, binnen weniger Minuten, nachdem sie sich angestöpselt hatten, zu sabbernden Vollidioten.
Es fing an auszusehen, als wären die Users mit ihrer lauten, festgefahrenen Gesellschaft in eine Sackgasse geraten. Aber dann erscheinen die Angels auf der Bildfläche.“

Rudy Rucker: Gödel, Zappa, Rock ´n´Roll – Ein Roman vom Paradies der Zukunft. S. 11-12, Frankfurt am Main, 1989